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Museumsfreunde stellen vor: Ein Herd für 12 Frauen

18.12.2020

Das Stadtmuseum von Bad Gandersheim ist voller Kuriositäten, dabei stehen  die Besucher vielfach vor seltsamen Exponaten. Wer hat denn schon einmal einen Herd mit 12 Herdplatten, 12 Rauchabzugskanälen und genau so vielen Aschekästen gesehen? Kann man darauf überhaupt kochen und, wenn ja, wer kochte hier? Wir müssen zurück in die Geschichte dieses Herdes und seines Aufstellungsortes. Dazu tauchen wir ein  in das Mittelalter und begeben uns auf den Steinweg in Gandersheim.

Hier in der Nähe der kleinen Nebenstraße namens „Pump“ sprudelte im 13. Jahrhundert eine Quelle. Ihr Wasser wurde später in einem Brunnen gefasst. Von dem Wasser trank Mensch und Vieh. Bald hieß er der Wunderbrunnen. Warum? Denn einst wurde nach einem Bade in dem Wasser des Brunnens ein Lahmer wieder gehend. Auch andere Menschen spürten beim Genuss des Wassers Besserung ihrer Leiden, ja sogar Heilung. Das sprach sich bald herum.  Nun setzte ein Strom von Pilgern und Heilung Suchenden ein, die alle von dem Wasser trinken oder darin baden wollten. Auch das Kanonissenstift war nun interessiert, vielleicht konnte man die Quelle nützlich verwenden. Die Äbtissin des Stifts ließ zunächst ein geweihtes Kreuz, das“Heilige Kreuz“ dorthin bringen, das noch heute zu besichtigen ist. Priester verkündeten das Wort Gottes. Das Reichsstift beschloss, bei der Quelle ein Hospital zu errichten. Nach einem entsprechenden Gesuch beim Papst in Rom, stimmte der Papst  dem Vorhaben zu. Man hoffte auf dauernden Pilgerandrang und damit verbunden reichlichen Geldfluss. Die Äbtissin Bertha II. gründete also das „Hospital zum Heiligen Geist“ zum Ende des 13. Jahrhunderts als fromme Stiftung. Leider versiegte der Wunderbrunnen schon bald. Die Ursache ist unklar, doch das Hospital blieb. Im späten Mittelalter entwickelte sich hier der Beginenkonvent „Zum Heiligen Geist“. Beginen sind Frauen, die, ohne Nonnen zu sein, ein gottgeweihtes, entsagungsvolles klösterliches Leben führen. Auch die Reformation überstanden die Damen. Es wohnten immer 12 dieser Beginen in dem Hospital. Warum gerade 12? Hier steht die Zahl 12 philosophisch für große Hingabe, Dienstbereitschaft und Pflichterfüllung, also das Lebens-Prinzip der Beginen.Herd
Die Damen leisteten vor allem Kranken-, Hilfs- und Pflegedienste besonders für die ärmeren Bürger Gandersheims. Das Hospital, später genannt „Frauenhaus zum Heiligen Geist“, besteht heute noch als Gebäude, nämlich als Fachwerkbau von 1762 und trägt die Hausnummer Steinweg 19. Noch bis zum Jahre 1975 lebten die alleinstehenden Beginen hier. Es gab im Hause einen beheizbaren  Krankenraum und jede der Damen hatte ein eigenes kleines Zimmer, gekocht aber wurde gemeinsam in einer geräumigen Küche, in der unser großer Herd mit den 12 Kochplatten stand. Die Kocherei muss sehr diszipliniert und rücksichtsvoll vorgegangen sein, doch das hat wohl gut geklappt. Als in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg die Zahl der Beginen stark abnahm, war ein Weiterbetrieb des Hauses nicht mehr möglich. 1977 wurde das Haus schließlich verkauft. Der Herd hatte keine Verwendung mehr. Er kam zunächst zum Bauhof der Stadt und später in das Stadtmuseum, wo er noch heute bewundert werden kann.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Museumsfreunde stellen vor: Ein Herd für 12 Frauen