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Museumsfreunde stellen vor: das Handwerk Teil1

29.11.2020

Das Stadtmuseum von Bad Gandersheim zeigt im gesamten Westflügel des Hauses die Vielfalt des heimischen Handwerks aus früheren Zeiten. Dabei unterstützen den Besucher kleine Videofilme, die den Arbeitsalltag verschiedener Berufe wieder geben. So kann man dem Schuster  bei seiner Arbeit zusehen bzw. dem Küfer oder Weber über die Schulter schauen und dabei die Herstellung von Schuhen, Fässern usw. verfolgen. Hier erkennt der Zuschauer oft die im Museum ausgestellten zugehörigen Werkzeuge der Handwerker wieder und kann ihren Gebrauch und die Handhabung besser verstehen. Somit veranschaulichen die zahlreichen Exponate  die Tätigkeit der unterschiedlichen Handwerksberufe.

 Wenn neben den Fertigkeiten  auch noch die Fahnen der zugehörigen Innungen, das heißt der Berufsvertretungen, gezeigt werden können, ist das ein besonderer Höhepunkt. Dies ist im Stadtmuseum für die Berufe des Bäckers und auch des Schlachters gegeben. Für beide Berufszweige kann das Museum nämlich die zugehörigen Innungs-Fahnen zeigen. Innungen, so heißen die freiwilligen Vereinigungen von selbstständigen Handwerkern. Es handelt sich dabei dabei um eine fachliche Interessenvertretung von Personen einer Berufsgruppe des Handwerks. Der Vorstandsvorsitzende der Innung wird Obermeister genannt. Das Wort Innung stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet ursprünglich aufnehmen, sich zugesellen, eng zusammenstehen. Das noch heute gebräuchliche Wort innig  in unserem Sprachschatz weist noch auf diese frühere Bedeutung hin. Die Innungen der Handwerker sind hervorgegangeaus den schon seit dem  Mittelalter bestehenden Gilden und Zünften.
Die Fahne der Bäcker-Innung in einer großen Vitrine ist aus dem Jahre  1928 und trägt die Inschrift „Bäckerinnung Gandersheim-Greene“.  Die Fahne deutet mit dem weiteren Datum von 1628. an, dass die Bäcker sie wohl zu einem Jubiläum angeschafft haben. Das schon im Mittelalter bis heute für diese Innung verwendete Zunftzeichen der Bäcker sind zwei sich gegenüberstehende goldene Löwen, die eine Brezel halten und in der anderen Tatze jeweils ein goldenes Schwert führen. Die Schwerter kreuzen sich. So zeigt es auch die Fahne im Museum.
Im Umfeld der Fahne haben die Museumsfreunde typische Gerätschaften des Bäckerhandwerks ausgestellt. Diese Dinge sind heute in den Betrieben nicht mehr in Gebrauch, zeigen aber deutlich, wie schwer die Arbeit dieser Handwerker früher war.

SchlachterinnungDie zweite Fahne, nämlich die der Gandersheimer Schlachter-Innung von 1931 trägt die Inschrift „Arbeit, Glück und Frieden sei dem Handwerk beschieden“.  Auch diese  Innungs-Fahne zeigt die typischen Zunftzeichen der Schlachter: auf der einen Seite einen Stierkopf mit 2 Schlachter-Beilen, auf der anderen das christliche Osterlamm mit der Auferstehungsfahne.  Auch  Innungs-Fahnen der Schlachter aus anderen Gebieten weisen ähnliche Formen und Symbole auf.  
In früheren Jahrzehnten gab es oft mehr als ein halbes Dutzend Bäcker und eine gleich große Zahl an  Schlachtern in unserer Stadt.  Und jedes Dorf beheimatete mindestens einen Bäckerbetrieb und einen Schlachterladen.  Das ist lange Vergangenheit. In den umliegenden Dörfern gibt es fast überall keinen Angehörigen dieser Berufsgruppen mehr und in den Städten wie Bad Gandersheim findet sich gerade einmal ein selbstständiger Bäcker. Da ist es nur verständlich, dass sich die einst mächtigen Innungen  mehr und mehr zu größeren Einheiten auf regionaler, meist Kreisebene, zusammenschließen mussten, um sich n der Gesellschaft  entsprechend Gehör zu verschaffen. Das begann schon früh, trägt doch die Inschrift auf der Innungsfahne der Schlachter  den Zusatz „Gandersheim und Umgebung“. Schon damals haben sich also die Innungen mehrerer benachbarter Gebiete zusammengeschlossen.   Diese Entwicklung ist in der Folgezeit weiter gegangen, ja hat sich mit dem Aufkommen der Supermärkte noch verstärkt. Der kleine Schlachter oder Bäcker findet in seinen Läden kaum noch sein Auskommen. Schade! Gerätschaften von Schlachtereien aus alten Zeiten besitzt das Stadtmuseum leider nicht viele. Es wäre daher schön, wenn  noch aus alten Betrieben oder Hausschlachtereien etwas gespendet würde, um es in der Nähe der Schlachter-Innungsfahne präsentieren zu können Also: wer noch  alte Dinge aus dem Schlachterhandwerk besitzt und diese dem Museum überlassen möchte, möge sich doch einmal beim Stadtmuseum melden, Telefon 4365.

 

Bild zur Meldung: Museumsfreunde stellen vor: das Handwerk Teil1