Rathaus/Museum

 

 

 

 

 

 

 
 
Schriftgröße einstellen:   normal  |  groß  |  größer
Link verschicken   Drucken
 

Reichsheimstätten "Salzbergsiedlung"

07.09.2019

Die Museumsfreunde haben in diesem Monat wieder ein Thema mit regionalem Bezug anzubieten. Die Reichsheimstättensiedlungen in Bad Gandersheim waren zu ihrer Zeit eine Errungenschaft und haben die jeweiligen Bereiche von Bad Gandersheim geprägt. Die Geschichte und Geschichten dazu wollen Rolf Geske und Dr. Rolf Holbe, Nachkommen  dieser Siedlung, erläutern und die Zusammenhänge erklären. Viele der Häuser haben seither den Eigentümer gewechselt und kennen den Hintergrund dieser Wohnsiedlungen nicht.  Salzbergsiedlung Am Montag, 9. Sep. 2019 um 19.30 Uhr laden die Museumsfreunde daher alle Bürger und Gäste der Stadt ins städtische Museum bei freiem Eintritt ein.



--------------------------------------
Pressebericht zum Vortrag

Das Reichsheimstättengesetz am Beispiel der Salzbergsiedlung.
Der Vortrag im Museum lockte die Bewohner der Salzbergsiedlung und fast 100 Gäste  an.
Wer hätte das gedacht? Die Museumsfreunde konnten mit dem Thema „Gandersheimer Siedlungen nach dem Reichsheimstättengesetz“   das Interesse sehr vieler Mitbürger wecken, sind doch die Wohnsiedlungen „Auf dem  Salzberg, an der „Salzwiese“  und  „Subecksweg“     
in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg und den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen  unter diesem Gesetz entstanden. So wollten dann auch die heutigen Nachkommen der einstigen Siedler aber auch neue Bürger dieser Wohngebiete einmal hören, wie und warum es zu diesen besonderen Siedlungen gekommen ist und wie sich diese Bereiche im Laufe der Jahrzehnte geändert haben. Selbst die Bürgermeisterin, Frau Schwarz, ließ es sich nicht nehmen, Gast der Veranstaltung zu sein, wohnt sie doch ebenfalls auf dem Salzberg. Dr. Rolf Holbe u. Rolf Geske Rolf Geske und Dr. Holbe waren die kompetenten Referenten, sind sie doch nicht nur die Nachkommen der einstigen ersten Siedler, sondern zum Teil noch Zeitzeugen des früheren Lebens und Wohnens in diesen Gandersheimer Wohnbereichen  im Westen unserer Stadt.
Beide Herren wechselten sich beim Vortrag ab und konnten sich somit gut ergänzen. Gleichzeitig veranschaulichten historische Bilder aus dem Museum den spannenden Vortrag. Der Zweck des 1920 erlassenen Reichsheimstättengesetzes war der von möglichen Gläubigern geschützte Erwerb und Besitz von Wohneigentum und die Bindung des Eigentümers an bestimmte bodenpolitische Ziele. Der  Heimstättengedanke hat aber historisch tiefere Wurzeln, die zum Teil bis auf die frühe Besiedlung Nordamerikas im 19. Jahrhundert zurückgehen,  aber auch  auf moderne großstädtische  Siedlungen  wie in Frankfurrt Praunheim verweisen. Insgesamt dürften von den Anfangsjahren nach dem 1. Weltkrieg bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhundert ca. 80.000 dieser Wohnbauten in Deutschland entstanden sein Dieser auf seine besondere Art soziale Wohunugsbau, so erläuterten die Referenten, war an strenge Regeln geknüpft.  Als Heimstätter waren natürlich  Kriegsteilnehmer, Kriegerwitwen, kinderreiche Familien usw. vorzugsweise zu berücksichtigen. Befreiung von Steuern des Reiches, Notwendigkeit von Eigenleistungen, Nachbarschaftshilfe und viele andere Vorteile machten den Erwerb einer Immobilie und ihren Bau für  ca. 5000 Reichsmark möglich. Musste ein Kredit aufgenommen werden, war der Zinssatz bei 1% festgelegt. Nach 1933 wurde das Gesetz modifiziert aber erst nach dem 2. Weltkrieg aufgehoben. Eine Beleihung der Immobilie war nicht vorgesehen, also Bodenspekulation unmöglich. Das Wohnen und Leben in diesen Gebieten war streng geregelt. Neben den festgelegten Grundrissen der Grundstücke und Häuser war auch Zahl und Art der Tiere, die gehalten werden durften, genau geregelt, ebenso musste  der angrenzende Garten nach ganz bestimmten und genau fest gelegten Kriterien genutzt werden. Rasen und Blumenbeete waren  nur am Rande in geringem Umfang zugelassen. Ziel war eine weitgehende Selbstversorgung der Bewohner.  Immer wurden die Vortragenden aus der Zuhörerschaft, die ja oft genau wussten, wie es vor Jahrzehnten auf dem Salzberg oder am Subecksweg  zugegangen war, durch eigene Erlebnisse  ergänzt. So konnten manche noch den Ort nennen, wo einst der gemeinsam  gehaltene Ziegenbock seine Unterkunft hatte oder wie man die entlaufenen Gänse wieder einfangen musste. Hausschlachtungen und Bräuche bei den Feierlichkeiten waren ebenfalls ein beliebtes  Thema. Viele weitere Bilder mit Haus- und Gartengrundrissen oder Dokumenten bereicherten die Ausführungen der Redner. Die alten Zeiten wurden wieder lebendig, aber auch die Veränderungen bis in die Gegenwart. Die Gandersheimer Geschichtswerkstatt hat in ihrem Buch „Gandersheim außerhalb der Stadtmauern“ ebenfalls diese Bereiche in Wort und Bild dokumentiert und ist sogar im örtlichen Buchhandel noch zu bekommen.
Die Veranstaltung wollte kein Ende nehmen, waren doch die Erinnerungen vieler Zuhörer lebendig geworden und suchten nach Gegenwart. Schließlich konnte die Vortragswartin, Frau Goslar, sich bei den Rednern mit einem schönen Präsent bedanken, dem sich das Publikum mit lang anhaltendem Beifall anschloss.
Sie kündigte für den  14. Oktober um 19.30 Uhr im Museum den nächsten Vortrag an. Dann wird ein Referat über das Thema   „KZ-Gedenkstätte Moringen“  gehalten. Der Eintritt ist - wie immer frei.

 

 

Foto: Reichsheimstätten "Salzbergsiedlung"