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Nationalparkwald im Wandel zur neuen Wildnis

04.07.2019

Vortrag Dr. Friedhart Knolle:
Der Nationalparkwald im Wandel zur neuen Wildnis.

Die Museumsfreunde haben für den kommenden Vortrag am Montag, 8. Juli 2019 um 19.30 Uhr Dr. Friedhard Knolle ins Biedermeierzimmer des städtischen Rathauses eingeladen.  Dr. Knolle, als Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung, gehört zu dem Kompetenzteam, das die Entwicklung des Harzes begleiten.  Mitten in Deutschland gelegen, entstand der länderübergreifende Nationalpark. Harz 2006 durch die Vereinigung der Nationalpark „Hochharz“ in Sachsen-Anhalt und „Harz“ in Niedersachsen. Er schützt und entwickelt eine einzigartige Mittelgebirgslandschaft mit Wäldern, Mooren, Fließgewässern und zahlreichen weiteren Lebensräumen. Über 7000 Tier- und Pflanzenarten kommen hier vor, von denen viele vom Aussterben bedroht sind. Der Nationalpark ist größtenteils auch als Natura 2000-Gebiet (FFH- und Vogelschutzgebiet) der Europäischen Union ausgewiesen.

Der Nationalpark Harz hat schon eine lange Geschichte - schon Hermanns Löns plante ein solches Schutzgebiet bei Bad Harzburg und auf Flächen, die heute inner-halb des Parks liegen. Heute hat der Nationalpark Harz zu jeder Jahreszeit viel zu bieten. In seiner Mitte liegen die bekannten Tourismusmagneten Brocken und Torfhaus mit attraktiven Nationalpark-Besucherzentren. Auch in allen Nationalparkge-meinden rund um das Schutzgebiet finden Sie Informations- und Bildungsangebote. Ein jährlich neu aufgelegtes Naturerlebnisprogramm gibt einen Überblick – das aktuelle Programm wird der Referent mitbringen – und noch viel mehr Information. Spe-ziell wird der Referent auch auf die Rolle des Borkenkäfers im Park und die aktuellen Waldbilder eingehen, die für viel Diskussionsstoff sorgen.

Wie funktioniert ein natürlicher Wald? Welches Leben gibt es im Totholz und warum sehen die Nationalparkwälder teilweise braun aus? Das emotional besetzte Thema des Absterbens alter Fichten infolge der Massenvermehrung des Borkenkäfers wird aufgegriffen und mit zahlreichen Hintergrundinformationen erläutert. Doch der Käfer ist im Nationalpark kein Grund zur Sorge. Am Ende steht nicht ein toter Wald, sondern sprießendes Leben aus jungen Fichten, Ebereschen, Weiden und Birken – ein Wald, der vielfältiger und artenreicher ist als zuvor. Allerdings wird dieser ökologische Prozess durch den Klimawandel beschleunigt. Die Museumsfreunde hoffen, dass dieses Vortragsthema bei viele Bürgern und Gäste der Stadt Interesse wecken wird und laden bei freiem Eintritt herzlich ins Rathaus ein.

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Pressebericht im Gandersheimer Kreisblatt

Nationalpark Harz – Mut zur Wildnis
Dr. Friedhart Knolle referierte im Museum

Wieder einmal konnten die Museumsfreunde melden: volles Haus beim Vortrag von Dr. Friedhart Knolle, Pressesprecher des Nationalparks Harz im Stadtmuseum Bad Gandersheim. Seit 1990 schon war der in Goslar 1955 geborene  Wissenschaftler bei der Aufbauarbeit des Nationalparks in  Niedersachsen dabei. Studiert hat  er an der TU Clausthal  Geologie, 2006 promovierte an der Tu Braunschweig, in demselben Jahr wurde er  Pressesprecher des heute länderübergreifenden Nationalparks Harz mit seinem Verwaltungssitz in Wernigerode. Darüber hinaus ist er begeisterter Höhlenforscher, Naturschützer und auch an der jüngeren Geschichte  interessiert, hat er doch insbesondere die Zeiten des 2. Weltkrieges mit seinen durch Zwangsarbeit gekennzeichneten Rüstungsbetrieben in seiner Harzheimat schriftstellerisch bearbeitet.  
Dr. Friedhard Knolle Dr. Knolle stellte zunächst den heutigen Nationalpark organisatorisch und in seinen Grenzen vor, wobei er auch auf die vielfältige Fauna und Flora, seine Baumarten und Nutzungen in den unterschiedlichen Höhenlagen darlegte. Doch bald waren aktuelle und von jedermann beim Besuch des Harzes zu erkennende Dinge sein Thema. Die Schlagworte Klimawandel, Baumsterben, Borkenkäfer, Totholz beherrschten den Vortrag. Diese Erscheinungen wirken auf Besucher des Nationalparkes zunächst sehr befremdlich, denn es bietet sich bei Wanderungen durch den Harz oder bei einer Fahrt mit dem Zug auf den Brocken ein oft erschreckendes Bild. Graue Holzgerippe abgestorbener alter Fichten dominieren die Landschaft und wirken schockierend auf die Besucher. Diese Zustände werfen viele Fragen auf. So war es auch beim Vortrag. Hier aber konnte Dr. Knolle stets kompetent und eloquent antworten und die Zuhörer umfassend aufklären. Er kennzeichnete den heutigen Zustand als einen Wald auf dem Weg zur neuen Wildnis. Tote Bäume sind nicht das Ende des Waldes, sondern läuten den Beginn einer neuen Waldwildnis ein. Im Nationalpark Harz darf die Natur ihren eigenen Weg gehen, wir erleben derzeit einen natürlichen Waldwandel vom Wirtschafts- zum wilden Naturwald. Bis dieser Wandel vollzogen ist bedarf es einer Menge Geduld. In einigen Bereichen muss der Mensch noch nachhelfen, andere  können schon aus sich heraus zur Wildnis werden. Der Vortragende zeigte an verschiedenen Stellen und Bildern auf, wie Tier- und Pflanzenwelt beginnend in den tieferen Lagen des Parks bis hinauf zur Waldgrenze in den Höhenlagen des Brockens sich zu neuer Vielfalt und Diversität entwickeln. Dennoch bleibt der rasante Klimawandel mit den höheren Temperaturen auch eine Herausforderung, der manchmal nur schwer beizukommen ist, zum Beispiel in Sachen Borkenkäfer, der zunehmend auch ein Problem für die konventionelle Forstwirtschaft wird. Die Zeit verging wieder einmal viel zu schnell, um alle Themen im Nationalpark umfassend zu erörtern. Viele Fragen hatte das Publikum, die zu beantworten waren, aber auch nachdenkliche Mienen waren zu erkennen. Die Vortragswartin der Museumsfreunde dankte  Herrn Dr. Knolle mit einem kleinen Präsent und konnte zugleich verkünden, dass sich Dr. Knolle für das nächste Jahr wieder zu einem Vortrag im Stadtmuseum bereit erklärt hat. Die Zuhörern dankten ihm dafür mit großem Beifall.  

Der nächste Vortrag jedoch wird schon am  12. August  2019 wieder um 19.30 Uhr im Stadtmuseum stattfinden. Dann kommt Herr Professor Dr. Kappen vom Museum Dassel und bearbeitet das Thema „Die Grafen von Dassel“. Vielleicht hören wir dann auch wieder etwas von der Erichsburg. Im Zusammenhang mit dem Augusttermin möchten die Museumsfreunde noch einmal auf die am 15. August stattfindende Museumsfahrt hinweisen. Es sind noch einige Plätze frei. Der Preis für die Fahrt beträgt einschließlich Mittagessen und aller Führungen 45 Euro. Die Einzahlung des Betrages auf das Konto  des Museums bzw. des Schatzmeisters Neigenfind bei der Volksbank unter IBAN DE 71 2789 3760 0013 079600  gilt zugleich als Anmeldung. Weitere Informationen auf dieser Webseite.

 

Foto: Nationalparkwald