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Raubritternest, Lustschloss und Staatsgefängnis - Frauen aus Gandersheim und ihre Geschichte(n) auf der Stauffenburg

05.02.2019

Die Geschichte der Stauffenburg bei Gittelde liegt nicht weit von Bad Gandersheim entfernt, ist  aber heute nur noch eine Ruine und lädt Wanderer zu Ausflügen  ein. Ihre Historie aber ist nicht nur reich an interessanten Begebenheiten, sondern es ranken sich viele Geschichten um dieses Gemäuer. Manches Boulevardblatt wäre dankbar, wenn es solche pikanten Dinge aus den Adelshäusern berichten könnte. Museumsfreund Harm Smidt hat sich die Mühe gemacht, einmal die Ruinen aufzusuchen und sie zu beschreiben, aber auch die genannten historischen Begebenheiten zusammengetragen. Am 11. März 2019 um 19.30 Uhr wird er in einem bilderreichen Vortrag im Biedermeierzimmer des Stadtmuseums das Ergebnis seiner Recherchen vortragen. Die Museumsfreunde laden alle  Bürgerinnen und Bürger Bad Gandersheims und  weitere Interessierte ein, an dieser Veranstaltung kostenfrei teilzunehmen. Sie ist kostenlos.
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Pressebericht:
 

"Gandersheimer Frauen auf der Stauffenburg"
Es ranken sich kaum so viele Anekdoten und Geschichten um eine Burgruine in unserer Nähe, wie um die Stauffenburg bei Gittelde. Sie ist untrennbar mit der Geschichte Gandersheims, dem Freien Reichsstift und dem Herzogtum Braunschweig verbunden. Museumsfreund Harm Smidt hat sie in seinen Wanderungen aufgesucht, ihre Reste fotografiert und dazu die Geschichte der Anlage durchleuchtet. Was er herausfand, hat er im Biedermeierzimmer des Museums vorgetragen.
Nach anfänglichen Erläuterungen über ihre frühe Vergangenheit zur Zeit der Ottonen und ihre meist unbekannte Bedeutung als Schutz für die bei Gittelde liegenden mittelalterlichen Hütten für die Erzeugung von Waffen und landwirtschaftlichen Geräten  diente sie in dieser Zeit wohl auch als Raubritterburg, ehe die braunschweigischen Herzöge sie  zu einem Verwaltungszentrum machten. Im Laufe der Zeit waren es oft hochadelige Frauen, die auf der Stauffenburg wohnten und ihren Einfluss in der Region ausübten. So war es besonders Herzogin Elisabeth, die aus Wenigerode kam, und vornehmlich den Industriestandort Gittelde stärkte, indem sie Bergleute aus Ihrer Heimat in der Nähe der Burg ansiedelte. Die Herzogin wurde später in Gandersheim begraben. Leider zerstörte ein Brand die Grabanlage, so dass von ihr nichts mehr blieb Viel berühmter ja berüchtigter ist eine andere Dame, die zwischen dem Schloss Wolfenbüttel, Gandersheim und der Stauffenburg pendelte. Es war Eva von Trott, die Geliebte des Braunschweiger Herzogs Heinrich, genannt der Springer. Heimlich gebar sie ihm viele Kinder, zunächst unbemerkt von seiner angetrauten Frau. Ein Scheinbegräbnis musste her, um die Sache zu vertuschen. Doch alles ließ sich nicht unter den Teppich kehren. Die Eltern Evas kämpften um ihre Tochter und verklagten den Herzog vor dem Kaiser, Sogar Martin Luther schaltete sich ein. Man musste fliehen und konnte sich knapp vor den Häschern verbergen. In Gandersheim begann eine hochnotpeinliche Untersuchung mit negativem Ergebnis. Letztlich starb der untreue Herzog und Eva verbrachte ihre letzten Jahre im Kloster in Hildesheim. Die Burg war nun als Lustschloss in aller Munde. Der Vortragende untermalte seinen Vortrag mit Aufnahmen von den Ruinen der Burg. Eindrucksvolle Mauerreste zeugen vom Verfall der Anlage, der schon bald nach dem 30jährigen Krieg einsetzte. Bald gaben die Braunschweiger Herzöge die Burg als Amtssitz auf und verlegten die Verwaltung in die tiefer gelegene Domäne, lediglich das Gefängnis blieb erhalten. Hier befand sich in ihren letzten Jahren eine weitere hoch gestellte Dame, keine geringere als die Äbtissin des Reichsstiftes Erika von Warberg. Sie war nicht nur hoch verschuldet im Stift, weil sie ein gar nicht frommes, keusches und demütiges Leben führte, nein, zu allem Unheil wurde im Keller des Gandersheimer Stiftes plötzlich eine Kinderleiche entdeckt. Wer war die Mutter in diesem von Frauen dominierten Haus?. Der Herzog musste handeln. Eine große Untersuchung aller im Stift lebenden und arbeiten Frauen  begann. Ärzte und Hebammen reisten an, um herauszufinden, wer die Mutter des Kindes war. Schließlich gestand die Äbtissin ihren Fehltritt und gab alles zu. Es war ihr Schreiber und der Kämmerer, der als Vater der Kindesleiche identifiziert werden konnte. Doch wie in vielen Fällen, er hatte sich bereits nach Italien abgesetzt und konnte nicht mehr habhaft  gemacht werden. Gott sei Dank hatte er als Kämmerer kein Geld mitgenommen. Aber das hatte Margarete von Warberg ja schon ausgegeben. Es kam wie es kommen musste, Margarete von Warberg wurde auf diie Stauffenburg ins dortige Verlies, es war das Staatsgefängnis, eingeliefert. Noch einige Jahre lebte sie hier, ehe sie verstarb. Nach diesem Ereignis wurde auch das Gefängnis auf der Burg aufgegeben und das Anwesen verfiel mehr und mehr. Die Bäume wucherten um die Gemäuer, so dass nur noch wenig von der einstigen Pracht zu sehen ist. In ein Paar Jahren wird alles verschwunden sein und der Wanderer wird vergeblich nach der Burg Ausschau halten. Die zahlreichen Zuhörer im Biedermeierzimmer spendeten reichlich Beifall. Vortragswartin Frau Goslar kündigte schon den nächsten Vortrag für den 8. April an.  Dann wird Prof.  G. Biegel auf eine neue Art Roswitha von Gandersheim dem Publikum vorstellen.Wer mehr erfahren will, schaue im Internet nach unter www.bad-gandersheim-museum.de

 

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Raubritternest, Lustschloss und Staatsgefängnis - Frauen aus Gandersheim und ihre Geschichte(n) auf der Stauffenburg