Wie die Straßen zu ihren Namen kamen

04.02.2019

Wie die Straßen zu ihren Namen kamen
Der Museumsvortrag erklärt  die Namen von Gandersheimer Straßen.
Es gibt eine Menge Straßen in Bad Gandersheim. Viele dieser Straßen tragen Namen bekannter Persönlichkeiten aus der Region aber auch aus der deutschen Geschichte. Diese Straßennamen erklären sich daher zum großen Teil von selbst. Andere Straßen und Plätze wiederum sind nach Bäumen, Blumen oder Tieren benannt. So gibt es einen Tulpenweg, einen Buchenweg oder einen Fuchswinkel. Diese Namen muss man ebenfalls nicht besonders erklären.  Auch die Bezeichnungen der Orte, wohin einige Straßen führen deuten sich  von allein. Die Braunschweiger Straße führt Richtung Braunschweig, die Holzmindener  in Richtung Holzminden. Und der Wächterstieg wird wohl etwas mit dem früheren Nachtwächter zu tun gehabt haben. So weit so gut. Manche Straßen aber  sind nicht ohne weitere Erläuterungen verständlich. Einige Beispiele: Warum heißt die Straße „Pump“, Pump? Wie kommt die Tummelburg zu ihrem Namen? Wer hat sich da getummelt? Führt die Straße Hagen etwa nach Hagen? Wohl kaum. Wie kommt der Küchengraben zu seinem Namen? Für viele Straßen und Wege in Bad Gandersheim ist ihre Deutung nicht sofort klar. Die Museumsfreunde wollen hier ein wenig Aufklärung bieten. Museumsfreund Harm Smidt wird am Montag dem 11. Februar um 19.30 Uhr im Biedermeierzimmer des Stadtmuseums den Schleier um einige Straßennamen lüften und diese erklären.
Alle Bürgerinnen und Bürger wie auch Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist wie immer frei.
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Pressebericht zum Vortrag:

Wie die Straßen zu ihren Namen kamen

Museumsvortrag erklärt  Namen von Gandersheimer Straßen

Es gibt eine Menge Straßen in Bad Gandersheim. Viele dieser Straßen tragen Namen bekannter Persönlichkeiten aus der Region aber auch aus der deutschen Geschichte. Diese Straßennamen erklären sich daher zum großen Teil von selbst. Andere Straßen und Plätze wiederum sind nach Bäumen, Blumen oder Tieren benannt. So gibt es einen Schlehenbrink, einen Buchenweg oder einen Fuchswinkel. Diese Namen muss man ebenfalls nicht besonders deuten, sie sprechen für sich.  Auch die Bezeichnungen der Orte, wohin einige Straßen führen, erklären  sich  von allein. Die Braunschweiger Straße führt Richtung Braunschweig, die Holzmindener  in Richtung Holzminden. Und der Wächterstieg wird wohl etwas mit dem früheren Nachtwächter zu tun gehabt haben. So weit so gut.
Manche Straßennamen  aber  sind nicht ohne weitere Erläuterungen verständlich. So rätselt mancher Einwohner herum, was wohl  seine Straßenname bedeutet. Museumsfreund  Harm Smidt hat sich einmal die Mühe gemacht, bei einem Vortrag im Biedermeierzimmer des Museums solche Straßennamen zu erklären und musste zum Teil weit in die Geschichte unserer Stadt zurück gehen.
Luftaufnahme Bad Gandersheim Zu Beginn des Abends zeigte er eine Luftaufnahme aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es war ein dicht bebautes Quartier zu erkennen, in dessen Mitte die Stiftskirche steht. Nun, wir kennen diese Stiftskirche heute als weitgehend frei stehendes Gebäude.  Sie umgeben freie Plätze ohne jede Bebauung. So  sah es in der Mitte Bad Gandersheims vor 80 bis 90 Jahren nicht aus. Das Zentrum Gandersheim wurde nämlich von einem landwirtschaftlichen Großbetrieb beherrscht, der Domäne im Besitz des Landesherrn.  Ein freier Platz im heutigen Sinne wurde der Bereich erst, als man im Zuge einer Modernisierung und wegen der heraufziehenden Bedeutung des Heilbades hier einen zentralen freien Platz schuf, den heutigen Domänenhof. Alle landwirtschaftlichen Gebäude, Scheunen. Ställe, aber auch Wohnhäuser wurden radikal abgerissen. Nur die ehemalige Funktion dieser Lokalität erinnert heute noch an seine Vergangenheit. Genau so erging es der angrenzenden Straße Fronhof. Hier verlief einst die Gasse der Frondienst leistenden landwirtschaftlichen Mitarbeiter. Sie leisteten Frondienste, also standen im Dienste des Gutsherrn. Das Wort Fron bedeutet Herr, wie wir heute noch im Fronleichnamsfest dieses Wort Fron wieder finden.
Nun weiter: die Baderstraße, auch im Zentrum gelegen, war der Ort wo der Bader, der Gesundheitspfleger seine Badestube hatte.  Der Bader stand unter der Kontrolle der Stadt, seine Stelle wurde jeweils verpachtet. Der Vortragende konnte die einzelnen Straßen zum Teil in alten Bildern darstellen.
Viele Gebäude gibt es heute nicht mehr, so wie beispielsweise das ehemalige Barfüßerkloster, nur die alten Kellergewölbe sind noch vorhanden, wo einst das Scheinbegräbnis der Eva von Trott stattgefunden hat. Hier wurde damals eine hochnotpeinliche Befragung durch kaiserliche Justitiare durchgeführt und die diensttuenden Mönche mussten viele Särge öffnen, um auf Befehl der Untersuchungskommission zu überprüfen, wo evtl. Eva von Trott begraben war. Aber es fand sich nichts.
Die Straße Tummelburg ist auch so ein kurioses Stück Stadtgeschichte. Hier stand einst ein Haus, vor dem sich die Kinder tummelten und die Äbtissin in ihren Gemächern durch ihren Lärm störten. Auch erhängte sich hier am Fenster der Stadtschreiber, was ebenfalls nicht zum Amüsement der Äbtissin beitrug. Erst als das Haus abgerissen wurde, war Ruhe. Das heutige Kriegerdenkmal an seiner Stelle legte endgültig allen Streit bei.  
Harm Smidt brachte noch eine Reihe weiterer Beispiele und kam zuletzt  wieder auf die Zeit der Domänen zurück. Die Straßen „Hinter dem Meierhofe“ am Ausgang der Stadt Richtung Westen oder die Siedlung „Drei Linden“ weisen in die Zeit vor ca. 100 Jahren hin, als Domänenland zu Siedlungszwecken aus  Staatshand an Bürger abgegeben wurde, weil der Staat woanders wegen Industrie- und Verkehrsprojekten Bürger aus- oder umsiedeln musste.  Frau Goslar, die rührige Vortragswartin der Museumsfreunde, dankte dem Referenten und kündigte für den 11. März 2019 schon den nächsten Vortrag im Biedermeierzimmer an. Der vielversprechende Titel: „Raubritternest – Lustschloss – Staatsgefängnis.  Geschichte(n) Gandersheimer Frauen auf der Stauffenburg“. Man darf gespannt sein, was dabei zu Tage kommt. Der Eintritt ist wie immer frei..

 

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Wie die Straßen zu ihren Namen kamen