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"Kunst, Komerz oder Propaganda?" - Das Phänomen d. Medaillen auf d. 1. Weltkrieg

05.09.2018

Die Museumsfreunde präsentieren aus Anlass des  1.Weltkrieg vor 100 Jahren seit 2014 eine umfangreiche Sonderausstellung und bieten zu diesem Thema auch Vorträge an. Die Museumsfreunde konnten Wolfgang Egemann, als einen Experten für Münzen und Medaillen  zu diesem Thema  am Montag, den 10. September 2018 um 19.30 im städtischen Museum gewinnen.

Der erste Weltkrieg rief in Deutschland eine Welle nationalistischer Kriegsbegeisterung, den sogenannten „Hurra-Patriotismus“, hervor. Man wähnte sich - umgeben von Feinden - in einem Kampf von Gut gegen Böse, von höher stehender Kultur gegen niedrigere Zivilisation, von Heldentum gegen Verrat, Tücke und Neid.
Man glaubte in einer großen Zeit zu leben und wollte die Erinnerung daran dauerhaft bewahren. Ein in Deutschland und dem verbündeten Österreich beliebtes Medium hierfür waren Medaillen. Als dauerhafte Erinnerungsstücke konzipiert, wurden in beiden Ländern während des Krieges weit über 1.000 Stück herausgegeben. Die verschiedensten Einrichtungen und Personen firmierten als Herausgeber. Große Medaillenverlage und Prägeanstalten gaben umfangreiche Erinnerungsserien für ein breites Publikum heraus. Künstler und Privatleute schufen bzw. beauftragten besondere Stücke mit kleinerer Auflage, bei denen namhafte Künstler individuelle Stile und Vorlieben zeigen. Deren Durchmesser reichen von 15 mm bis über 120 mm, die Gewichte entsprechend von einigen Gramm bis fast zu einem Pfund.

Alarmierend ist allerdings, dass viele Botschaften dieser über hundert Jahre alten Medaillen den aktuellen Aussagen von Populisten und Neo-Nationalisten ähneln.

Der Vortragende wird den Besuchern mit seinem multi-medialen Vortrag "Kunst - Kommerz - oder Propaganda ? - Das Phänomen der Medaillen auf den 1. Weltkrieg" diese kleinen, "stummen" Zeitzeugen näher bringen, dabei aber auch gefährliche Gedankengut-Parallelen zur Gegenwart aufzeigen. Im Anschluss kann der interessierte Besucher viele der im Vortrag ja (nur) per Beamer präsentierten Kleinkunstwerke noch im Original begutachten.
Die Museumsfreunde laden alle Bürger und Gäste der Stadt bei freiem Eintritt  ein.
 


Bericht im Gandersheimer Kreisblatt:

Der 1. Weltkrieg auf Medaillen

Wolfgang Egemann , engagierter Münz-, Medaillen- und Briefmarkensammler aus Kreiensen hatte sich vorgenommen, den Zuschauern und Zuhörern im Biedermeierzimmer des Museums den 1. Wektkrieg auf eine besondere Weise nahe zu bringen. Dies ist ihm hervorragend gelungen. In einer technisch anspruchsvollen Darbietung konnte er in Bild und Ton sein Thema unter dem Motto Kunst-Kommerz oder Propaganda eindrucksvoll darstellen. Seine umfangreiche Sammlung von Medaillen aus Deutschland, Österreich, Belgien, England und Frankreich zeigen den 1. Weltkrieg einmal von der Seite der Medaillen. Nach einer historischen Einführung in die geographische und politische Lage in Europa zeigte Egemann eine Vielzahl an Medaillen von der Größe eines 2-Eurostückes bis zu einem Durchmesser einer Untertasse. Silber, Bronze und Eisen sind die Metalle der gezeigten Stücke, die die Gäste seines Vortrages auch selbst in die Hand nehmen konnten. Stücke von bis zu mehreren 1000 Euro im Wert und bei Sammlern hoch begehrt, wenn sie überhaupt noch zu finden sind und angeboten werden. Die Stücke zeigen zu Anfang des Krieges noch Siegeszuversicht und ein nationales Pathos, das uns heute fremd vorkommt. Der Siegeswille der Mittelmächte schien ungebrochen, die Überlegenheit der verbündeten Heere gewiss. Doch nach und nach war es mehr und mehr der Durchhaltekomplex, der die überforderten Soldaten bei Laune halten sollte. Das Volk gab Gold für Eisen. Am Ende sollte der Sieg stehen. Die Propaganda lief auf Hochtouren. Immer wieder blendete Wolfgang Egemann den historischen Kontext ein. Letztlich war man überfordert. Hindenburg verkündete resigniert „gegen die ganze Welt kann man keinen Krieg führen“ und riet zum Waffenstillstand. Der kam dann auch und war gleichzeitig die Keimzelle des 2. Weltkrieges. All das war auf den Medaillen abzulesen. Wozu führte dies alles?
Das zeigte das letzte Bild des Vortrages: Das Denkmal für die gefallenen Soldaten in Kreiensen, ein Mahnmal, wie es in fast allen Orten unseres Landes zu finden ist, das uns aufruft, den Krieg nicht noch einmal entstehen zu lassen und alles zu tun, ihn zu vermeiden. Man möge die Pflanze Europa gedeien lassen!

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: "Kunst, Komerz oder Propaganda?" - Das Phänomen d. Medaillen auf d. 1. Weltkrieg